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«Wir ziehen ein»

An der Albisstrasse 3 wird aus einer Wohnung ein Kreativatelier auf Zeit. Hier erhalten Ideen einen Raum. Es ist ein Überbleibsel aus einer anderen Zeit. Das Haus an der Albisstrasse 3 beim Bahnhof Zug ist umzingelt von modernen Büro- und Wohnbauten. Nun sind seine Tage gezählt. Eine fensterlose Wand an einem der Neubauten steht drohend daneben. Dort wird im nächsten Jahr eines der Büro- und Wohnhäuser der Überbauung Grafenau Süd verlängert – auf Kosten des 1903 errichteten Hauses Albisstrasse 3. Wenigstens verschwindet das Haus nicht sang- und klanglos. Bis am 3. Oktober ist die Wohnung im Hochparterre ein «individuelles transitorisches Museum», ein Zufluchtsort für einen Tag ohne moderne Kommunikationsgeräte. Danach wird aus der Wohnung «D’Wohnig».Ein halbes Jahr lang bieten die fünf Zimmer Raum für Kunst- und Kulturprojekte, für Kurse und Literaturabende, für Ausstellungen und für eine Surfboardproduktion, für gemeinsames Kochen und für eine gemütliche Kaffeerunde. «Hier darf und kann jeder etwas ausprobieren», erklärt Patrick Bützer. Er hat zusammen mit Debora Bühlmann das Projekt «D’Wohnig» ins Leben gerufen. Die beiden führen an der Alpenstrasse 13 in Zug das Paettern Lightup Atelier, das es Kunstschaffenden, Jungunternehmern und Kleinstproduzenten ermöglicht, ihre Erzeugnisse zu präsentieren und zu verkaufen. Das Atelier ist aber mehr als nur ein Laden: Es ist eine Plattform für kreative Leute.

 

Und das soll «D’Wohnig» an der Albisstrasse 3 auch werden – einfach grösser. Bereits jetzt hat sich rund um die beiden Initianten eine Gruppe gebildet, die die Wohnung im Hochparterre mit Leben füllen werden. Einmal im Monat wird mit Jasmin Schmid und Olivia Holzer «glismet und käfelet», ein anderes Team lädt zum Kochen und Geniessen ein, Thomas Murer bietet Qi Gong- und Tai Chi-Stunden an. Marco Schnyder wird seine Surfboardproduktion an die Albisstrasse 3 verlegen. «Es hat noch viel Platz für weitere Aktivitäten», betont Patrick Bützer. «D’Wohnig soll ein Ort sein, den alle aktiv mitgestalten können.» Möglich ist an der Albisstrasse 3 alles, was in jeder normalen Wohnung möglich ist. Was aber auch bedeutet, dass Konzerte oder Partys nicht ins Programm gehören. Den Initianten geht es nicht um Konsum, sondern darum, neuen Ideen Raum zu geben. «D’Wohnig» stellt den Platz zur Verfügung, den es braucht, um Ideen weiter zu entwickeln und zu verwirklichen. In den hohen Räumen mit knarrenden Parkettböden sollen Menschen zusammenkommen, sich spontan kreativ betätigen, Kontakte knüpfen. Wie das funktionieren kann, hat schon das Fotoshooting gezeigt: «Wir ziehen ein» steht auf zwei Schildern. Und das Motto wird für den Fotografen auch gleich um gesetzt. Debora Bühlmann und Patrick Bützer sind überzeugt, dass «D’Wohnig» einem Bedürfnis entspricht – das nun zumindest für ein halbes Jahr befriedigt werden kann. Auch wenn die Tage des Hauses an der Albisstrasse 3 gezählt sind, wird es für die letzten Monate nochmals mit Leben gefüllt, wie andere abbruchreife Häuser auch schon. Eine klassische Zwischennutzung also? «Wir sprechen lieber von einer temporären Aufwertung.»

 

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